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Freitag, der 13.Juli 2018

Armin Henn – ein Kötheler Original - hat uns verlassen

Wir vermissen nun am Dorfteich sein freundliches Winken,

seine knorrige Erscheinung mit dem wuseligen Lockenschopf unter dem markanten Hut und seinem zauseligen grauen Vollbart unter den wachen braunen Augen.

Vor 56 Jahren hat der damals 24 Jahre junge Zimmermann mit eigener Hände Arbeit und der Hilfe seines großen Bruders ein stattliches Haus am Dorfteich errichtet, für sich und seine Hühner einen prächtigen Garten angelegt, zunehmend wild und üppig wuchernd - gerade jetzt strotzend voller Obst- und Walnussbäume, Tomaten und Engelstrompeten in paradiesischer Fruchtbarkeit.

Eine Zeit lang betreute Armin Henn auch den Teich, baute den Enten mittenddrin ein heimeliges Holzhüttchen mit Terrasse rundherum. Und dort bekamen wir dann eines grauen Morgens im späten September – dank Henny - völlig unerwarteten Familienzuwachs: Als ich gerade zufällig wieder einmal am Teich vorbeischlenderte und versonnen meinen Blick über das leicht vernebelte Seechen schweifen ließ, stoben plötzlich alle Enten wie von der Tarantel gestochen in alle Richtungen von ihrer Terrasse davon, wo Bruchteile von Sekunden zuvor aus dem dort liegenden Ei ein winziges Küken geschlüpft war, – das dann in rasantem Tempo auf mich, den einzigen lebendigen Fixpunkt weit und breit, zupaddelte und direkt vor meinen Füßen landete (Konrad Lorenz lässt grüßen!). Natürlich hob ich das Kleine auf und fragte „Henny“, was das merkwürdige Fluchtverhalten der Enten zu bedeuten hatte. Und er ,“Hebamme“ für und Herr über Generationen zig verschiedener Tierarten,  erklärte ganz „cool“, die Alten wüssten instinktiv, dass das herbstliche „Baby“ in der Natur keine Überlebenschancen hätte und ich nun in die elterliche Rolle geschlüpft sei und über Sein oder Nichtsein dieses winziges Lebewesens zu entscheiden hätte… (Aus dem piepsenden Küken wurde schnell ein stattlicher Erpel, der uns im Frühling auf eigenen Wunsch verließ – und ein Jahr später seine Braut vorführte!).

Im Winter, wenn der Teich richtig zugefroren war, brachte Armin Henn damals einen riesigen Scheinwerfer an, sodass sich die Kinder bis zum späten beim Schlittschuhlaufen vergnügen konnten – eine herrliche Dorfidylle.

Es war allerdings durchaus nicht so, dass Armin Henn immer als selbstloser Menschenfreund aufgetreten ist – er konnte auch sehr eigenbrötlerisch und bärbeißig sein. Nachdem vor über zwanzig Jahren seine Frau fortgegangen und seine Berufszeit vorbei gewesen war, lebte Armin eigentlich fast nur noch für seine Tiere und mit ihnen. Um sein Haus herum gab es Katzen, Kaninchen und vor allem Hühner und Hähne der verschiedensten Rassen, manchmal zog er auch ein verwaistes Zicklein hingebungsvoll mit der Flasche direkt in seiner Wohnung auf. Zu allen Jahreszeiten sah man ihn täglich mehrmals mit der Schubkarre auf die Weide zu seinen Schafen und Ziegen gehen – und zu seinem geliebten Pferd Fury. Von dem ließ er sich sonntags oft per Kutsche durch die Wälder ziehen und genoss die Natur. Die beiden waren über zwei Jahrzehnte lang wirklich ziemlich beste Freunde.

Schier das Herz gebrochen hat es Armin deswegen, als er eines Morgens in diesem Frühjahr völlig unerwartet seinen geliebten Fury tot auf der Weide liegend vorfand. Geweint hat der starke alte Mann über diesen Verlust bittere Tränen.

Am 20.Mai ist Armin Henn 80 Jahre alt geworden. Krank und schwach hat er sich gefühlt.

Am 13. Juli ist er von uns gegangen.

Er fehlt in Köthel.

 

Sabine Duwe – Bendixen

Köthel, den 5.August 2018